Aktionismusscheiße

Aktionismusscheiße

Moderne Soziale Netzwerke sind meist ein Pfuhl an Narzissmus, Selbstdarstellung und Drama. Jeder muss irgendwo, irgendwie und irgendwann eines der drei Dinge machen. Dabei ist es egal, ob Facebook („Teilt das, wenn ihr auch der Meinung seid!“), Twitch („HEEEY *supernerviges Kreischen* LIKED MICH!“), Google Plus („Hallo, ist sonst noch jemand hier? Ich bin so alleine…“) oder Youtube („Liked, Subscribed, Abonniert mich und meine Hackfresse!“). Überall wird nur darauf geachtet, sich am besten darzustellen.

Nicht nur bei gehobenen „Internetpersönlichkeiten“ ist das so, dass diese jeglichen Touch mit ihrer Nutzerbasis verloren haben und nur noch Schamlos ihren Content jedem Ungefragt aufs Auge drücken, sondern auch im privaten Bereich. Da wird Freunden schon der persönliche Internet-Fame in die Wunde gedrückt oder aus Geltungssüchtigkeit eine eigentlich Sinnvolle Aktion zur Selbstbereicherung pervertiert.

Vor einer guten Weile gab es die ALS Ice-Bucket-Challenge, ins Leben gerufen, um auf die Amyotrohpe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam zu machen. Aus diesem Zweck sollte man sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf schütten lassen. Dieses simuliert ungefähr das Gefühl, dass ALS Patienten haben, und regte viele zum Spenden an.

An sich eine Gute Sache, möchte man meinen, wären da nicht die Narzisstischen Gierschweine, die, kurz nach dem Auftakt dieser Challenge, die „Cold-Water-Challenge“ starteten mit dem Ziel, Leute zu Nominieren, die in ein Gewässer springen müssen, oder ihnen stattdessen einen Kasten Bier bzw. eine Tankfüllung bezahlen müssten. Widerwärtige Menschen, die eine Gute Aktion für ihren eigenen Geltungsdrang ausnutzen müssen, ein weiterer Punkt auf meiner Liste zur Legalisierung nachträglicher Abtreibung für bis zu 50 Jahre nach der Empfängnis.

Trotz dieser widrigen Bedingungen hat die Stiftung hohe Spenden im Verlauf der Aktion einnehmen können und vielen Helfen können. Das bringt mich zu meinem Nächsten Punkt. Soziales Engagement.

Viele scheinen anscheinend nicht zu begreifen, dass „Like-Button“ kein Synonym für aktives Engagement für andere Bedeutet. 1 Like = 1 Respekt ist nicht das Äquivalent zu tatsächlich helfen. 1 Share = 100 Amen ist nicht gleichbedeutend mit aktivem Beistand, egal für wen.

Gerade jetzt in dieser absolut unmenschlichen Flüchtlingskrise, mit Amoklaufenden Rechtsradikalen, ISIS/Daesh-Mitgliedern, und freidrehenden Innenministern ist es wichtiger denn je, dass wir als Gemeinschaft zusammen halten und einander Helfen.

Das dieses auch in einem moderatem Wege geht, zeigt hier in Deutschland die DKMS, die mit Stammzellen nach Spendern gegen Blutkrebs suchen, grob vereinfacht. Diese hat mit der DKMS Challenge in diesem Jahr beispielsweise nach vielen neuen Spendern gesucht.

Auch Ich bin bei der DKMS als Spender registriert, was überraschend einfach ist. Und man rettet möglicherweise seinen Genetischen Zwilling. Das ist doch was, oder? Mehr als ein Like-Button je tun kann.

Gib mir deinen Senf!