Großraumklos – Des Einfachen Mannes Konzertsaal

Großraumklos – Des Einfachen Mannes Konzertsaal

Ich frage mich immer wieder, warum Menschen viel Geld ausgeben, um Räume mit perfekten Akustikeigenschaften zu schaffen. Es geht nämlich auch billiger – mein ehemaliger Arbeitgeber hatte nämlich ein Großraumklo, und auch wenn Fäkalhumor nicht wirklich so mein Ding ist – Wenn man dort alles aufnimmt, könnte in knapp zehn Wochen Beethovens Fünfte aus der Geräuschkulisse von Fürzen, Stöhnen und Grunzen entstehen.

Geschätzte 45m² braunes Flatulenzvergnügen, mit akustischen Vorzügen, die selbst den Dirigenten des Staatsorchesters ins Schwitzen gebracht hätten. Beschallt von einer eigenen Radioanlage, die zwar nicht bei der Ausscheidung unterstützt, aber doch gelegentlich viel zum kotzen beiträgt. Vor allem, wenn Weihnachten naht.

Das Problem dieser doch relativ angenehmen Ausscheidungs-Atmosphäre ist aber nicht das Radio, nicht die Größe und nicht die Halleigenschaft als Konzertsaal, sondern die Geräuschkulisse anderer enddarmgeplagter Kameraden. Auch wenn ich jetzt tief in die Sphären anderer Leute eindringe und sich sogar vielleicht welche wiedererkennen – hab ich halt bei denen verschissen. Ha! Wortwitz!

Ich mein‘ ja nur, könntet ihr in Ruhe einen Maximalpigmentierten ins Weiße Haus bringen, eine SWAT-Einheit in die Keramikabteilung abseilen, also, ihr wisst schon, wenn es in der Kabine nebenan so klingt, als ob der Nachbar gerade eine Kommode Marke „Eiche Rustikal“ ausscheidet – inklusive Geruch und Geräusch verzweifelt an den Wänden kratzender Hände? Dacht‘ ich mir.

Es gibt auch die Art von Schüsselsprenger, die beim Ausdünsten die Beschallung des Radios mitsummt, also so in der Kabine nebendir brummt jemand Last Christmas, aber mit gelegentlichen, sehr drückenden Geräuschen dazwischen.

Oder, folgende Sache – es ist mal wieder so eine Art Tag der offenen Tür. Was macht man, als verantwortungsbewusster Mitarbeiter? Man geht in seinen Pausen ausdünsten, sorgt dafür, dass die Sicherheitstüren zu den sensitiven Bereichen immer verschlossen sind und bleibt immer freundlich und höflich zu den Gästen.

Was macht man als Gast? Man erprobt, in wie viele Richtungen der eigene Arsch gleichzeitig sprühen kann, spielt temporär farbenblind beim Finden der Spülung und spielt in Galileo-typischer Manier nach, wie viel Klopapier Schmirgelklasse A in ein handelsübliches Toilettenrohr passt. Macht doch einen hervorragenden Eindruck.

Beliebt beim Personal außerhalb der „Besuchszeiten“ sind natürlich bezahlte Pausen auf dem Lieblingsort. Wem seine Mittagspause zu kurz war, packt sich fix sein Pausenbrot in die Tasche, schauspielert fix etwas Magengrummeln und flitzt dann Richtung Klo. Magensachen haben den Vorteil, dass niemand gerne fragt. Ganz besonders nicht, wenn man dafür bekannt ist, dann detaillierte Beschreibungen abzuliefern. Öhm…

Nunja, ich habe es durchaus schon erlebt, dass einige Brötchenkauend aufs stille Örtchen verschwanden und dort von SMS, über Whatsapp bis zum Telefonieren mit Freunden, Familie oder der Telefonseelsorge alles anstellten.

Der einzige Haken ist wohl, dass einen die Kollegen nicht mehr ganz so gern haben, wenn man entweder ein kollegiales Arschloch ist und/oder Senfgas ausscheidet.

Gib mir deinen Senf!