Himbernutten, Warnwesten und Feuchtklopapierprojektile

Himbernutten, Warnwesten und Feuchtklopapierprojektile

Hach ja, Discounter. Für manche offenbar ein Quell der Fantasie, eine Muse der Inspiration, ein Adonistempel des Spontanen Sports. Nein, eigentlich ist es zu manchen Zeiten einfach eine Anhäufung von geballter Dummheit.

In meiner, durchaus mehr als alltäglichen Gier nach Konsum führte mich mein Weg in einen Laden, dessen Name viel und oft hintereinander gesagt in etwa der phonetischen Entsprechung eines Klingeltons entspricht. Für lokal Ansässige: Es ist der Laden, dessen andere Filiale im Norden nur noch eine Trümmer-Ruine ist, weil ein paar Einbrecher aus Angst vor Fingerabdrücken den Laden angezündet haben. Na ja, egal.

Eigentlich ging es mir ja nur um diese überaus schmackofastischen „Brazilian Pepper“-Chips, aus den Restbeständen der WM-Aktionen. Die sind echt lecker. Aber, so verwöhnt ich auch bin: Ich muss natürlich im Laden schnüstern. Ganz im Sinne der „Kommen sie rein, können sie rausgucken“-Philosophie musste ich mich meiner exzellenten kognitiven Fähigkeiten besinnen und meine goldenen Adleraugen eines Maulwurfs auswerfen. Zwar bin ich aufgrund meiner Körperlichen Gegebenheiten nicht besonders schnell, kann aber einem dann sehr plötzlich auftauchenden Feuchtklopapier-Projektil ausweichen – Nicht, dass es direkt auf mich geflogen ist, ich wollt‘ eigentlich nur einmal den coolen Matrix-Effekt im Laden versuchen.

Flugs sah ich mich nach dem Verursacher dieser Schießerei um; und ich muss sagen: Werte Damen, das war nichts. Ihr sollt A) Eure Schminkkästen nicht AUFESSEN, und B) wenn ihr Ware schon nicht mehr wollt, die nicht mit Schmackes irgendwo gegen werfen. Ein kurzer musternder Blick von den Damen, deren Aufmachung selbst für Osteuropäische Bahnhofsnutten peinlich wäre, und man sah ein „Iih, ist der Hässlich!“ in deren Augen. Ein kurzer, musternder Blick von mir und ich denk‘ mir so: „Die haben ihre Fetzen auch nur an, damit ihnen bei ihrem Job als Nutten mit Payback-Bonusprogramm nicht die Fotze zufriert.“

Mädels, ich weiß ja, Kleidung ist für euch meistens nur da, um schick auszusehen, ich bin da ja semi-vorbelastet. Aber Kleidung hat mal einen Zweck erfüllt. Sie sollte uns Warmhalten in kalten Tagen, Schützen vor Umwelteinflüssen, den Verlust des Fells kompensieren und aus irgendeinem merkwürdigen, mir zivilisatorisch unbekannten Grund unsere Schamgegend bedecken. Doch irgendwie ist diese Notiz an euch vorbeigegangen.

Die Kleidung der beiden Münzeinwurfsprostituierten war eher dafür gedacht, möglichst schnell die Hüllen fallen lassen zu können, sollte irgendwo in der Nähe ein Reicher, dummtrainierter Himbeertoni auftauchen, worauf sie vaginalsekretsprießend auf ein Leben voller teurer Schuhe, Handtaschen und unendlichen Orgasmen zusteuern würden.

Offenbar suchen sie jetzt dieses Glück in einem Discounter. Die Erfolgsaussichten sind ja auch hier besonders gut…

Während ich noch überlege, in welchen Porno ich die Hackfresse der einen gesehen habe und mir einfällt, dass ich so ein Filmchen nicht mal auf den einschlägigen Portalen anklicken würde in der Angst, dass mein Mauszeiger Wanderherpes bekommt, höre ich einen bekannten Namen…

Schakkeline-Maria! Lass Das!

Angst macht sich in meinen Gliedmaßen breit. Momzilla? Sollte ich mich umdrehen und nachschauen? Ihr wisst, dass ich eurer Informationsgier nichts verweigere, also hab ich mich umgedreht. Es war nicht das Rote Boot der Kopulationsbeschleunigung, aber dennoch ungefähr aus demselben Bevölkerungskreis. Es schien ein Bild wie aus einer schlechten Nachmittagsdoku zu sein. Vater, braune Haare, in Jeans, Hemd und Warnweste. Mutter, blondiert mit starken schwarzen Ansätzen, in Jeans, Bluse und Warnweste. Zwei Töchter, Blond, 9 und 10, Rosa Kleid und… Warnwesten. Im Kopf habe ich plötzlich das Bild dieser Unsäglichen Flohmarktkassierer, die von 7jährigen noch 7,90€ Standgabühr für ihre Decke haben wollen.  Während der Papa also mit Schakkeline-Maria und, wie ich noch erfahren sollte, Dschastyne-Kimberly-Hill rumalberte, sammelte die Mutti den Einkauf ein.

Bräunungscreme, Haarfärbemittel (blond), Zwei Tüten Chips, damit die Kleinen die Fresse halten, drei angefressene Packungen Frikadellen, weil die Gören mit dem Essen nicht bis nach dem Bezahlen warten können. Halbe Brötchen mit Kindersabber und ein Halbes Ü-Ei, bereits kassiererfreundlich angelutscht und angeschmolzen.

Welcher Kassierer ist da nicht seines Lebens Überdrüssig, wenn er solche Kunden an der Kasse hat? Eigentlich hatte ich ja schon alles, was ich wollte, also habe ich viel zu viel Zeit damit aufgebracht, dieser Familie als Teil einer extremzoologischen Dokumentation zu folgen. Schlussendlich führte mich mein Weg dann hinter ebenjene Gruppe illustrer Gestalten an die Kasse.

Während Schastyne-Kimberly-Hill unbedingt nochmal im Einkaufswagen AUF allen Waren sitzen musste/wollte und flugs hineinbefördert wurde, musste Schakkeline-Maria wohl ihre von der Hauskatze abgeleckten Gene ausprobieren und begann auf der Warenauslage neben der Kasse Trampolin zu springen. Hundekot… zumindest hoffe ich, dass es nur Hundekot war… blieb auf der Ware haften, im Karton und mein Blick ging zur Mutter des Menschlichen Unfalls. Weil der Vater immer noch damit beschäftigt war, die andere Würgeschlange von Kind abzuschütteln.

Ein indignierter Blick, ein Augenrollen, und ein „Mach doch mal was, Heiner!“. Das war es. Oh, und als der Vater sie anfässt, ein etwas direkteres, bestimmteres „ABER SANFT HEINER!“ – Antiautoritäre Waldorfschwutten-Erziehung in seiner reinsten Form. Die Kinder tanzen den Eltern auf der Nase herum und gehen ihrer gesamten Umwelt auf die Nerven. Der Anführer des Deutschen ehrenamtlichen Flohmarktkinderabkassiererverbundes beginnt also, die kleine Medusa Junior sanft, aber bestimmt, von der Ware zu holen, während man die Mutti seufzen hört „Das geht ganz bestimmt wieder auf mein grünes Karma! Ich bin so unbalanciert!

In meinem Kopf spielt sich die Idee ab, Ihr eine Notschlachtung vorzuschlagen, wie bei einem verletzten Pferd im Wilden Westen. Allein die Vorstellung befriedigt meine Mordgelüste ein wenig.

Es geht voran und der Kassierer schlägt innerlich die Hände über dem Kopf zusammen. Der aufgerissene Einkauf hat sich bereits aus den Packungen befreit und fängt an, teilweise auf dem Band auszulaufen.

Nachdem alles übers Band gezogen, gelaufen oder gekrabbelt ist, den Scanner berührt hat und das Personal sich berät, ob man die Kasse noch mit 200kg Desinfektionstüchern sauber bekommt ober ob man diese lieber gleich sprengen sollte, teilt der Kassierer die Endsumme mit: „Das macht 113,57€, bitte.“ Kapitän Warnweste kommt mit einem 500€-Schein an, Mutti kommt mit „Das Kleingeld hab ich Passend!“. Sie öffnet ihren Damenrucksack (Ihr wisst schon, die Dinger, die aussehen, als ob ein Marienkäfer aus seinem Panzer herausgeplatzt ist), und holt eine Graniniflasche mit 1ct und 2ct heraus. Oh Gott. Nein. Viele Neins! Ich brauche Nein-Cent-Münzen, die ich Leuten an den Kopf schmeißen kann!

Während Mutti zählt, der Verkäufer im Kopf bereits weint und ich die Viabilität von einem Rituellen Fremdselbstmord im Laden erwäge, zieht Mutti dann den 500€-Schein wieder abrupt aus der Hand des Verkäufers und sagt „Wir zahlen doch lieber mit Karte. Sie helfen mir ja eh nicht beim Zählen.

Sprach es, zog ihre Bankkarte, schob sie in den Schlitz, zog sie hinaus, wartete, bis der Kassierer das Okay gab, Steckte sie wieder ein, zog sie raus, steckte sie richtig herum ein, gab den PIN falsch ein, zog hinaus, wieder herein, drückte okay, zog hinaus, steckte hinein, gab PIN richtig ein, vergaß Okay zu drücken, zog wieder hinaus, steckte wieder hinein, gab den PIN ein, drückte Oay und zahlte mit Karte. Kurz, Bargeldlos, schnell.

Am Arsch.

Gib mir deinen Senf!