Ich bin Konsument – ICH darf das!

Ich bin Konsument – ICH darf das!

In einem Anfall von Menschenliebe, Konsumwahn und anderem Irrglauben dachte ich, dass ein gegenseitiger Respekt ja eigentlich etwas Selbstverständliches sei. Dann habe ich die Wohnung verlassen und… das war es dann auch eigentlich wieder damit.

Auch wenn Ihr mir wieder nicht glaubt – Das Bundesamt für blöde Filmtitelübersetzungen und geheime Idiotenausbildung (BFugI) gibt es genauso wie das Bundesamt für Temporale Phänomene und Erdbeerjoghurt (BTPuE). Während letzteres immer für Sommer- und Winterzeit sorgt, und Wartungsarbeiten an unserer Zeitachse in der jeweils fehlenden oder überzähligen Stunde durchführt, ist das erstere rein damit beschäftigt, Filme wie „Airplane“ zu „Die Unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ umzubenennen und mich zu ärgern. Wenn mir noch einer was von verschwendeten Steuergeldern erzählt…

Wie ich darauf komme? In letzter Zeit nimmt die Idiotendichte in meiner Umgebung wieder stark zu. Gerade im Umfeld des persönlichen Konsums wird schon fast mit Ellenbogen ausgeholt, um sich seine Ware zu holen. Spulen wir mal die Szenerie innerhalb unser aller Lieblingsdiscounter soweit vor. Meine Wenigkeit bewegt sich langsam in Richtung Kasse. Die haben dort über den Kassen so nette Schilder mit „Bei uns können sie auch Geld abheben“, „Die Magazincoupons können sie hier an der Kasse einlösen.“ und das verhängnisvollste Schild: „Stehen mehr als 5 Kunden vor Ihnen? Sprechen sie uns an!“. Ihr ahnt es schon, oder? Es stehen mit mir insgesamt vier Personen an der Kasse. Schwallofant kommt mit Zwillingswagen und drei, dem Aussehen und Verhalten nach, Rotzblagen an. Jene Gören sind bereits dabei, die an der Kasse stehenden Ü-Eier kundenfreundlich auszupacken und im Laden mit schmierigen Fingern zu verteilen. Die Mutter sieht das, und mit ihrer engelhaften Stimme, kotzenden Kolibris mit chronischer Behinderung nicht unähnlich, flüstert sie mit rekordverdächtigen 120 Dezibeln ihren Kindern zu: DSCHASTIN-MARCEL, SCHAKKELINE-MARIA, KEVIN-PASCAL-ROBERT! DAS MUSS MAMA ALLES BEZAHLEN! HIER! AB JETZ!“.

Ab jetz“ ist ein gutes Stichwort, denn ab jetzt bin geistig im Leerlaufmodus, das Spektakel lässt sich mein Hirn nicht entgehen.

Kurz ein musternder Blick über die Kapitänin der MS Kevinismus – Echte Blondine, sieht man am schwarzen Haaransatz, nach der Geburt ein- oder vielleicht auch zweimal fallen gelassen, mit sieben schon in die Förderschule. Ersten Sex hatte sie mit 14, war wohl klasse, direkt schwanger, nicht so klasse. Zumindest ist sie danach abgegangen wie ein Zäpfchen – und zwar von der Schule. Während ich mir so den Datensatz dieses Prachtexemplars einer bis zur Unkenntlichkeit gemästeten Elfe herunterlade, kommt Bewegung in die Sache.

Man sieht in ihren tumben Schweinchenaugen, wie sie langsam die Schlange (Nochmal: vier Leute) vor der Kasse durchzählt. Eins, Zwei (In ihrer Hosentasche bewegen sich die Finger mit), Drei, Vier (Sie zählt Partner und Kinder mit, aha.), Fünf, Sechs, Sieben (die Einkaufswagen sind offenbar auch Personen.)…

In dieser Szene blenden wir einmal aus und fragen uns – Eine geschätzt 26-jährige Frau mit dem Gewicht eines ausgewachsenen Volkswagen LT und dem Aussehen eines orkischen Männlichkeitsrituals: Sachma, Dex, willst du uns verarschen? Nein, lieber Leser, unter Garantie nicht! Das ist wirklich so passiert!

…zurück zu Hund, Katze, Elefant, dem Adipositasmagazin im Öffentlich-Rechtlichen Freiraum. Der resolute Blick der ausgebildeten McDonalds-Restefresserin sagt mir: Die Zahnräder sind eingerastet, die Dampfmaschine abgekühlt, die Berechnungen sind beendet. Zusammen mit ihren Kindern, den Einkaufswagen, den anderen Personen und den zwei Kisten Kopulationsbeschleuniger (sprich Bier) in ihrem Kinderwagen sind insgesamt Drölf Kunden vor ihr an der Kasse. Und weil Drölf so ungefähr circa mehr als Fünf sind, holt sie einmal tief Luft und flötet einem vorbeigehenden Angestellten zu: „SAGEN SIE MAL, ARBEITET HIER NUR FAULES HARTZ-PACK? MACHEN SIE GEFÄLLIGST NOCH ‚NE KASSE UFF!“. Auf die Blicke der anderen Kunden giftet sie „Ick hab Rücken!“. Ja, Momzilla. Ich hab‘ nicht nur einen Rücken, ich hab auch noch alle anderen Extremitäten. Arme, Beine, ’n Penis, halt alles, was man als normal Funktionierender Mensch so braucht. Ich bin schon fast gewillt, als die neue Kasse öffnet, mich direkt vor ihr einzureihen, habe aber Angst, dass sie mich zwischen ihren Rettungsringen zerquetscht.

Während sie den Einkauf auf dem Band aufreiht (alle Flaschen einzeln und längs hintereinander, dann die Kleinteile in der atemberaubenden Geschwindigkeit von einem Teil pro 30 Sekunden) wird mir klar – 2 Kisten Bier, Bratwurst, O-Saft für die Kleinen, Salate – Muddi hat die Spendierhosen an.

Heute geht es an den See, es geht ans Rote Meer, es wird gepaddelt, sie ist das Boot und ihr Kapitän darf seine Ruderstange bei ihr versenk… Ich hab grad gegessen, den Satz bringe ich lieber nicht zuende. Seid froh.

Als ich an der anderen Kasse fertig bin und meine Ware eingepackt habe, steht Tim Burtons‘ Inkarnation von Godzilla gerade beim Bezahlen. Während die… sagen wir einfach mal „Dame“, weil es von „Dämlich“ kommt, ihren Einkauf in den Wagen schiebt (mit der Speckfalte vom Unterarm!). Nach einer der Ewigkeit gleichkommenden Zeit verlässt Blubberqualle den Laden. Und steuert auf einen altersschwachen Polo zu. Styroporkindersitze (drei) hinten, sie belegt vorne Fahrersitz und Mittelkonsole. Vorher noch auf D umschalten, ist ja ’n Automatikwagen.

Schon beim Einsteigen bekomme ich Mitleid mit dem eigentlich recht hässlichen Polo, denn er verliert mit ihr an Bord knapp 10cm Unterbodenhöhe. Andere zahlen ein Schweinegeld für so effizientes Tuning, ich würde allerdings befürchten, dass die Kiste auf der Nächsten Bodenschwelle hängenbleibt…

Gib mir deinen Senf!