Indiana Dex und die Jagd nach dem verlorenen Winterschuh

Indiana Dex und die Jagd nach dem verlorenen Winterschuh

Es begab sich, vor nicht allzu langer Zeit, da ward’ ein Held sich seines Schuhmangels für die kalte Jahreszeit gewahr und begab sich, zur Lösung eben jenes Problems, in die Bibliothek seines Vertrauens. Auf Ansprache seines Problems riet ihm seine Assistentin, es doch einmal im sagenumwobenen „Innenstadt-Dschungel“ zu versuchen. Dort soll es einen Tempel des Mannes vom Deiche geben, in dem ein legendärer Schuh ruhe. Dieses Artefakt könne die Füße des Trägers im Winter in der Tat warmhalten.

Gesagt, getan, so begann dieses neue Abenteuer, ohne Außerirdische, ohne Steven Spielberg und ohne Kristallköpfe. Und ohne Domina-Russinnen. Und damit es ein bisschen leichter zu lesen ist, schreibe ich diese Geschichte jetzt in der Ego-Perspektive.

Ausgerüstet mit meiner Smartphone-App mit Peitsch-Geräuschen und meinem unsichtbaren Fedora begab ich mich hinab in den Dschungel. Geleitet nur von einer Karte, ohne jegliche Verbindung zu moderner Technologie, wie Kaffeemaschinen, Navigationsgeräten oder selbstaufblasenden Gummipuppen vertraute ich mein Leben nur einer alten Karte an.

Unzählige Eindrücke stürmten auf mich ein; vom Angstschweiß der Ureinwohner, die meinen stählernen Opel-Astra-Körper neidisch betrachteten, bis zum leisen Summen der Klimakäfer. Es verging auch nicht viel Zeit, da erspähten meine Augen den Eingang. Auf Kupfer gemeißelt standen einige obskure Runen, die ich mir notierte. Eine lange Stufe führte hinab in den Tempel, und so, wie ihr schon vermutet, begann eines meiner ersten Abenteuer als unbesiegbarer Spielfilmheld – Der Abstieg.

Ungleich einiger zweitklassiger Fußballteams war mein Abstieg aber eher sauber und gewollt, stets begleitet vom sonoren Brummen der Klimakäfer. Ein warmer Lufthauch aus der Stätte offenbarte mir, dass hier noch nie zuvor ein denkendes Wesen anwesend war. Unzählige verschlossene Schuhsarkophage zierten den Weg und ich kam auf die Idee, dass das gesuchte Artefakt vielleicht in einem dieser Dinger versteckt war.

Vorsichtig, ja geradezu übervorsichtig, öffnete ich Sarg um Sarg, allerdings, ohne weiterhin fündig zu werden. Nur ein leises, fast schon unhörbares Klicken verriet mir, dass Ich nicht aufmerksam genug war. Eine Falle! Ein schwarz-grün gekleideter Sukkubus materialisierte sich direkt vor mir. In Gedanken mich und meine Gier nach Artefakten verfluchend harrte ich derer Dinge die da nun kommen mögen. Diese Deichsukkubi sind in der alten Mammon-Mythologie als sehr hartnäckig und penetrant beschrieben. Wie penetrant sollte ich aber noch erfahren.

Der Dämon öffnete das Maul, vermutlich, um mich in der Sprache des Konsums zu verfluchen. Drei Sekunden. Verzweifelt suchte ich nach einem Ausweg. Zwei Sekunden. Meine Gedanken wanderten herum. Eine Sekunde. Hatte ich zuhause das Gas ausgemacht? Und er sprach:

UNWÜRDIGER! Du hast den Tempel des Mammon ohne den Segen des Konsums betreten. Nun empfange deine gerechte Strafe!

gefolgt von einem sehr undämonhaften:

Kann ich Ihnen helfen?

Geistesgegenwärtig, und die sehr undämonhafte Situation ausnutzend, warf ich mich hinter einen Haufen bereits geleerter Sarkophage, die die ganze Zeit schon da standen und garantiert nicht aus storytechnischen Gründen plötzlich erschienen sind. Der Dämon blickte irritiert und suchend umher und verschwand mit meinem Assistenten, den ich außerhalb des Tempels für ein paar der örtlichen Münzen angeworben hatte, und erst jetzt erwähne, weil unwichtige Nebencharaktere erst in absolut dramatischen Situationen sterben und damit ich voll den mega-langen Satz machen kann, der total schwer zu lesen ist.

Die erschreckend leiderfüllten Geräusche meines (jetzt wohl ehemaligen) Assistenten ignorierend, lugte ich vorsichtig aus meinem Versteck. Mir wurde bewusst, dass ich den sagenumwobenen Schuh bereits in den Händen hielt. Die Druckplatte war bereits vom Aufheben des Schuhs ausgelöst, was also sollte (zumindest mir) noch groß passieren?

Ihr ahnt es bereits. Wo ein Sukkubus weilt, dort sind niedere Kreaturen nicht weit: Kassiererdämonen, die mit ihrer „WELLNESS! STRESSLESS! WASWEISSICHNICHTLESS! KAUFEN!“-Rufen Angst machten.

So schnell mich meine dicken Wohlstandsbeine trugen, rannte ich gen Ausgang. Die jämmerlichen Schreie waren in ein Winseln übergegangen, und es würde nicht mehr lange dauern, bis der Obersukkubus mich innerhalb seines Beschwörungszirkels jagen würde.

Es dauerte nicht lang, und ich konnte bereits frische Luft riechen. Oder zumindest, wie die Luft im Innenstadt-Dschungel so riecht. Freiheit! Japsend sprang ich durch die Tempeltür, das gesuchte Objekt in den Händen haltend. Frage ist jetzt nur…

Was mach‘ ich mit einem einzelnen Schuh?

Gib mir deinen Senf!