Oh du Fürchterliche

Oh du Fürchterliche

Nach gesellschaftstechnischen Definitionen bin ich offenbar ein ganz schlechter Mensch. Ich kann nichts mit dem modernen Weihnachten anfangen, feiere meine Geburtstage nur alle fünf Jahre in größerem Rahmen und hab mit Ostern etwa soviel am Hut wie ein katholischer Priester mit dem Zölibat gegenüber Messdienern.

Heutzutage hasse ich diese Verunstaltungen von altertümlichen Festen geradezu. Warum? Radio an; „LÄÄÄST KRISTMÄS, AI GÄHF JU MAI HAAART!“; Radio aus; Radio anzünden; Radio vergraben; Radio einbetonieren. In den vergangenen Jahren habe ich es wohl als Einziger in meinem Freundeskreis geschafft, das große Fest des Kommerzes ungeWHAM!t zu überstehen – Ein eigentlich schon erachtenswerter Erfolg.

Früher, also da, wo laut Rentnern alles besserererer™ war, wo ich noch jung war, wo Take That noch keine Mädchen in den Suizid getrieben hat und ich noch relativ unschuldig war, ging es im Dezember eher gemächlich zu. Der Adventskalender war die kleine Köstlichkeit am Tag, Nikolaus war dann die Schokoladenbombe und an Weihnachten gab es mit großem oder kleinen Brimborium eine kleine familiäre Zeremonie.

Heute fordern die Kinder schon zu Nikolaus große Geschenke, möchten am Liebsten einen Adventskalender mit Goldbarren und zum heiligen Abend, wie er heute heißt, dann vermutlich gleich einen Mercedes SLK mit Walpenishaut auf den Sitzen.

Tage, an denen man von Medien geradezu mit dem eigenen Riechorgan auf den gemeinsamen Konsens der familiären Harmonie gepresst wird, können mir ernsthaft gestohlen bleiben. Wo dann Friede, Freude und Eierkuchen gepredigt wird, und doch im Rest des Jahres Fetzen fliegen – diese Heuchelei erspare ich mir.

Dabei habe ich nichts gegen die Feste an sich – Sofern sie halt ruhig und gemächlich sind, mir nicht durch Lärm und Gier aufs linke Ei gehen und man es einfach nur mit seinen Liebsten verbringt.

Gib mir deinen Senf!