Privilegierte Wut

Privilegierte Wut

Sirius Online, eine Lebensgeschichte. Die, die mich näher kennen, wissen, dass ich mehr als mein halbes Leben für dieses Projekt gearbeitet habe. 16 Jahre Herzblut, 16 Jahre Aufopferung. Ich habe alles darauf gesetzt, dass es auf Steam, dem heiligen Gral der Spieleentwicklung im Indie-Bereich.

Dass es so schiefgehen kann, wie es schiefgegangen ist, konnte keiner ahnen. Niemand. Warum es schiefgegangen ist? Das liegt an vielen Dingen, aber alle zusammen können einem passionierten Entwickler das Herz brechen.

Es gibt nämlich Menschen, deren purste Existenz darauf ausgelegt ist, ehrlich arbeitenden Menschen das Leben zur Hölle zu machen. Geizige Mistpisser, die kein Geld für Arbeit ausgeben wollen. Geiz-ist-Geil Mentalität, die vorherrscht, dank 3rd Party-Händlern, Schwarzmarkt und schattigen Bundle-Seiten, Drei Faktoren in dem Großen Wirbel um meine Zukunft, meine Gegenwart und meiner Vergangenheit.

Während andere Millionäre noch weiterhin Millionen von den Fans für ein Überhyptes Spiel ohne wirkliche Praktikabilität an den Kopf geworfen bekommen, muss ich mich jeden Tag sorgen, dass im Monat nicht genug rumkommt, weil wieder einmal eine andere Seite mein Spiel, mein Lebenswerk aus unbekannter Herkunft für dreizehn Cent verkauft. DREIZEHN CENT!

Im Gegensatz zu anderen Indies habe ich nie mein persönliches Ich exploitet, sondern immer versucht, meine Arbeit für mich sprechen zu lassen. Sirius ist ein Gutes Spiel, mit einer netten Community und viel Content.

Bin ich nur einer derjenigen, die meinen, ihnen steht etwas zu? Ja. Mir steht verdammt nochmal eine Entlohnung für meine Arbeit zu. Eine Faire Behandlung.

So langsam komme ich an den Punkt, wo ich gerne sagen möchte: „Ich kann nicht mehr.“. Hinschmeißen und einen sehr wütenden und vielleicht auch arroganten Newspost schreiben, mit ordentlich Publikumsbeschimpfung der Schweine, die Glauben, Spieleentwickler leben auf einem anderen Planeten voller endlosem Geld, Instant Kickstarter-Erfolg und keinem Reallife-Stress.

Sirius hat mich 16 Jahre meines Lebens gekostet, selbst wenn ich gerne Aufgeben würde, ich könnte nicht – zu viel Steckt da drin, zu viel habe ich geopfert. Zuletzt brauchte ich wieder Antidepressiva. Vielen Dank auch, ihr Geizigen Penner.

Wenn ihr das hier lest und daran denkt, selbst Spiele zu entwickeln: Lasst es. Diese Industrie, zu der das einst Idealistische Indietum geworden ist, bricht euch, frisst euch und scheißt euch als kleinen Feuchtfurzhaufen wieder aus. Man geht daran kaputt, seelisch, körperlich, geistig.

Think Big – Denke Groß“

Dieses Eine Motto hat die Indieszene einmal angefeuert, großartige Spiele zu produzieren, ohne dabei sich mit AAA-Studios einlassen zu müssen. Heute ist diese Indieszene voll von kleinen SCHEISS Mobile Games, geklonten Minispielen, Gestohlenem oder Prebought Code, Indisch/Pakistanischen Ripoffs oder gleich Chinesischen Reskin-Contentfabriken. Die Szene ist keine Szene aus Gleichgesinnten mehr, es geht allen nur noch um Profitmaximierung.

Mein Ziel mit Sirius war es, sicher zu leben. Ohne Angst vor Gerichtsvollziehern, Pfändungen oder Mietschulden. Eine Community aufzubauen, Spaß zu haben.

Ich kann eigentlich nur eines sagen:

Mission Failed

Game Over

Continue? Y/N

Gib mir deinen Senf!