Rosamunde Pilcher und andere Horrorautoren

Rosamunde Pilcher und andere Horrorautoren

Was sind wir doch für eine Gesellschaft. Wir sehen jeden Tag Blut, Mord und Totschlag in den Nachrichten der fast schon abgöttisch verehrten Flimmerkiste, während unsere Welt in den Abgrund stürzt. Ich vermute ja schon fast, dass selbst der Weltuntergang live übertragen wird, moderiert von Kai Ebel in einem scheußlichen Jackett und Oliver Pocher und Y-TITTY mit gleicherweise minderbegabten Witzen.

Obwohl es ja gar nicht mehr Flimmerkiste heißen sollte, mit dem großflächigen Einzug von Flachbildfernsehern. Vielmehr flimmern diese ja nicht, sondern wechseln die Farbstärke von winzig kleinen LEDs in ungeheurer Geschwindigkeit. Vielleicht sollten wir diese dann jetzt Dreifarbiges-Licht-emittierende-Dioden-Wechsel-Kisten nennen? Nein, das klingt nicht eingängig genug. Bleiben wir bei Flimmerkiste, irgendwo steht bestimmt noch eine alte Röhre Rum.

Aber, eigentlich schreibe ich das ja für etwas ganz anderes. Wo wäre unsere Gesellschaft nur ohne die Pest aus Pastelltönen und mit Weichzeichnern und Laiendarstellern nur durchzogenen Soaps und Telenovelas. Die Könige des in-die-Länge-ziehens von Inhalt.

Ganz ehrlich, wenn man Fickfilme nach der Art drehen würde, wären die auf der 300sten DVD noch nicht mal zum ersten Kuss gekommen, geschweige denn Klamotten wären gefallen. „Warum liegt denn hier Stroh?“ würde beantwortet werden mit „Weil das ein Stall ist, du Depp!“ und wenn der Feuerwehrhauptmann groß „ALARM! ALARM!“ durch die Feuerwache brüllt schleppen die Feuerwehrmänner keine Bumsflitsche an, sondern fragen, wo es hingeht.

Ganz vorne in der Superlative des stupiden Inhalts mit viel zu viel Weichzeichner liegt der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk mit den Albtraumvisionen von Rosamunde Pilcher.

Dort fahren Deutsche mit bescheuerten ausgedachten Namen auf bescheuerten ausgedachten Englischen Inseln und haben bescheuerte Ausgedachte Kitschromanzen. Moment. Gerade gelesen, dass es dieses England wirklich gibt. Krass.

Gute eineinhalb Stunden voller Kitsch, einfachen Dialogen und unaussprechlichen Namen; man möchte fast Brechen. Aber das Gute daran – DIE finden garantiert keine ernste Rolle mehr. Wer das für zu konservativ hält, der kommt natürlich auf den privaten Sendern mehr auf seine Kosten – Die Rede ist von den Soap-Operas, oder wie ich sie nenne, das „Gruselkabinett der bösen Blicke“.

Hier ist zwar nicht mehr so heile Welt, aber Irgendwie laufe da so viele Handlungsstränge durcheinander und ständig heult irgendwer, das hält doch echt keiner aus. Zumindest kein logisch denkendes Wesen.

Da schau ich lieber was Intelligentes. NTV oder N24 vielleicht? Diesmal mit der wahren Geschichte über Hitlers rechtes Ei, Hitlers erste Zigarre, Hitlers erstem splissigem Haar?

Es hat schon einen Grund, warum ich keine Flimmerkiste habe, denn Fernsehen macht doof, aber auch unheimlich viel Spaß, wenn man gelegentlich mal hineinschaut. Also, in die Glotze.

Gib mir deinen Senf!