Titten

Titten

Während mein Nachbar mich mit seiner total deprimierenden Trompete in den Irrsinn treibt, muss ich mal ein bisschen was über Freundschaften erzählen.

Freundschaften. Das war früher (zumindest für mich) etwas, dass man sich hart erarbeitet hat. Man ist auf Menschen zugegangen, hat von Gesicht zu Gesicht geredet und geschaut, ob man zumindest kompatibel genug für eine Diskussion auf gelegentlicher Basis ist. Wenn alles soweit ging, wurde man irgendwie so befreundet, sei es über Telefonnummer, Steine ans Fenster, Briefchen, oder auch ein Telefon im Briefchen ans Fenster. Man war so irgendwie Seelenverwandt ein bisschen.

Natürlich glorifiziere ich jetzt grade, wie so viele Rentner, die frühere Zeit. Früher war ja alles besser. Na ja, jetzt nicht ganz alles, die Sache mit dem Österreicher kehren wir mal lieber unter den Teppich.Aber, es ist doch heute eigentlich ganz anders. Die wenigsten Freundschaften werden heutzutage im Echten Leben geschlossen. Selbst der Branchenprimus Gesichtsbuch gibt vor, dass man erst befreundet sein muss, um Nachrichten auszutauschen.

Gut, das hätte mir in der Schule das Mobbing erspart, wenn man erst dafür mit befreundet sein müsste, aber, ich glaube, darum geht es nicht. Ich habe immer noch einen Account bei MySpace, und bis heute ist mein einziger Freund dort “Tom”, der Gründer von MySpace. Ich habe nie mit ihm gesprochen, nie hat er mich auf eine Pizza eingeladen und doch bin ich automatisch sein Freund. Gruselig.

Klar hat das Internet es einfacher gemacht, Bekanntschaften zu schließen, aber ich habe das Gefühl, das durch diese Inflationäre Benutzung des Wortes “Freunde” Freundschaften heutzutage Wertlos sind. Einige tittengesegnete Gehirnallergikerinnen verkaufen ihre “Facebook-Freundschaft” auf Ebay und lassen sich ihre Brüste gut bezahlen, andere klicken bei alles und Jedem “Freund adden” an, vorausgesetzt, die andere Person ist nicht schnell genug auf dem Baum. Und dann wird auf dem Grundschulhof rumgeprollt “Ey, ich bin mit Haftbefehl befreundet, yo!”. Ich glaube, wir brauchen ein neues Wort für eine Verbundenheit im Real Life. Und eine IQ-Zugangskontrolle fürs Internet.

Gib mir deinen Senf!