Von absolut beschissenen Tipps

Von absolut beschissenen Tipps

Einer evolutionstechnischen Bedingung haben wir es zu verdanken, dass wir weder Sporen verschleudern, noch Eier legen, sondern auf direkten zwischenmenschlichen Kontakt angewiesen sind. In uns wohnt der Instinkt, der uns antreibt, unsere Gene weiterzutragen, oder, falls kein Partner zur Hand ist, weiter zu schleudern als beim letzten Mal.

Wir verwenden einen ordentlichen Teil unserer Lebenszeit darauf, eine Partnerin, oder einen Partner, je nach persönlichem Gusto, zu finden, diesen dann zu halten, glücklich zu machen, einen Scheidungskrieg zu führen und zum Schluss all dem Geld nachzuweinen. Oh. Das klingt etwas zu pessimistisch. Vergesst das einfach.

Das Problem dabei ist, dass die Chemie ein ganz ordentliches Arschloch ist und uns zu den denkbar ungünstigsten Zeitpunkten in einen Menschen verlieben lässt. Der Ausstoß von Endorphinen und anderen Glückshormonen ist meistens in ziemlich beschissenen Situationen. Aber es gibt noch etwas viel, viel, VIEL schlimmeres: Bereits liierte Freunde, die ihre Weltmännischen Tipps an den Mann bringen wollen. Entweder in Buchform, wo sich die Tipps in den Büchern schon sehr stark nach Entführung und Vergewaltigung anhören, oder sie werden ungefragt jedem Single im Freundeskreis aufgedrückt.

Oft höre ich zum Beispiel: „Du bist so Introvertiert, sprich‘ doch einfach mal wen an!“ Gee-nau! Weil Introvertiertheit ja so ’nen Schalter hat, der wird von einer magischen Zauberfee (oder bei anderem X-Chromosomenanteil: von einem schwulen Glitzervampir) umgelegt und schon ist man voll Extrovertiert, der Partyknaller und die Stimmungskanone.

Der mit Abstand schlimmste Tipp ist aber „Geh‘ doch mal raus!“. Jetzt mal Tacheles. Der Spruch ist voll Scheiße. Er impliziert nicht nur, dass die Person nicht oft genug draußen ist (2 Milliarden Jahre Evolution für Cabriolets, Zentralheizungen und Sofas und dann „Geh‘ doch mal raus!“), sondern hilft auch so sehr wie ein ehrenamtlicher Außerhausverkauf von einem Wirsingkohl-Senf-Milchshake.

Ganz offensichtlich existiert nämlich ein „draußen“, welches sich doch arg von meinem Unterscheidet.

Während in meiner Existenzebene Frauen mich mit einem Blick angucken, der sagt „Lieber werd‘ ich lesbisch!“, scheinen in diesem anderen Draußen den betroffenen Leuten schon nach einem „Hallo“ an der örtlichen Pommesbude einem Mitglieder anderen Geschlechts direkt an der Backe zu hängen und nach Liebe, Sex und immerwährender Zuneigung betteln. Anders kann ich mir die verschobene Realität nicht vorstellen.

Komischerweise gilt diese Realität auch nur für die sowieso schon von der Natur mit Schönheit gesegneten Milchbubis, die sich dann quer durch die Weltbevölkerung (Und den Fragenkatalog zu Sexuell Übertragbaren Krankheiten) bumsen.

Ehrlich, da bleib ich lieber Single.

Gib mir deinen Senf!